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Ein Artikel aus der Episode #14Best Practices

Die 4 Wegweiser zum Work Universe

Maxie Pantel (l.) und Nina Leymann denken mit ihrem Unternehmen WORKFORMAT neue Arbeitswelten.

Nina Leymann und Maxie Pantel wollen Arbeitswelten entstauben und mit aufstrebenden Arbeitsformen wie dem Homeoffice verbinden. Wie dabei Best Practices gelingen können – vier Wegweiser.

von Hannes Hilbrecht 

Wer sich auf VHS-Kassetten die Zusammenfassungen alter Fußball-Weltmeisterschaftsspiele anschaut, der erkennt am Spielfeldrand eine flimmernde Werbebande besonders häufig. Direkt zwischen McDonalds und Coca Cola prangt immer wieder ein markanter Schriftzug: KODAK.

Der Hersteller von Fotozubehör schwang sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der bedeutendsten Unternehmen der Welt auf. Kodak scheffelte mit seinen Fotofilmen Jahr für Jahr Rekordumsätze.

Dann brachen technologische Zeitwenden über das Unternehmen herein. Erst gewannen die Digitalkameras, kurz darauf die Smartphones. Für Kodak ging es binnen weniger Jahre bergab, 2011 musste die einstige Cashcow sogar Insolvenz anmelden. Heute hat sich das abgesteckte Unternehmen auf Druckerlösungen spezialisiert. Kein Scherz. 

Die Historie demonstriert an zahlreichen Beispielen, wie vergänglich das vermeintlich Selbstverständliche sein kann. Selbst die größten Unternehmen sind nicht vor der Veränderungskraft der Welt gefeit. Das zeigt sich besonders unerbittlich während der Corona-Pandemie. Die bedroht – rein wirtschaftlich gesehen – nicht nur gesamte Branchen wie die Luftfahrtindustrie, sondern könnte auch unsere Form der Kollaboration für immer verändern. Sterben die Büros aus? Oder verändern sie nur ihr Erscheinungsbild? 

Nina Leymann und Maxie Pantel glauben an die zweite Antwortmöglichkeit. Das ist naheliegend. Büros und Arbeitswelten zu kreieren, ist das Handwerk der beiden Gründerinnen. Erst vor etwa einem Jahr haben sich die Unternehmerinnen zusammengefunden. Nina kommt aus der Beratungsbranche, sie begleitet Firmen durch mitunter turbulente Transformationsprozesse. Maxie arbeitete viele Jahre erfolgreich als Raum- und Industriedesignerin. Ihr Know-how bündeln die Unternehmerinnen nun in ihrem Unternehmen WORKFORMAT. Und die Corona-Krise? Eine Herausforderung. Vielleicht aber auch ein Anlass, Veränderung für Verbesserung zu nutzen.

In einem lesenswerten Essay schreiben die beiden über die Verknüpfung von Homeoffice und Büro, formulieren darin deutlich: "Arbeitswelten müssen Orte sein, an denen Begegnungen entstehen und Kollaborationen gedeihen. Ein Büro kann eine gemeinsame Identität und ein Gefühl von Zugehörigkeit stiften." 

So ein Work Universe ist das Ziel der beiden Expertinnen. Doch was steckt noch hinter dem Konzept? Die Unternehmerinnen haben es uns verraten. 

Ein Auszug aus dem WORKFORMAT-Manifest von Nina Leymann & Maxie Pantel – mit Grafiken von Hannes Nordiek.

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Enable Collaboration

"Die Art und Weise unserer Zusammenarbeit wurde in den vergangenen Monaten auf den Kopf gestellt. Plötzlich funktioniert vieles virtuell und manches sogar richtig gut. Virtuelle Zusammenarbeit wird auch zukünftig ein entscheidender Baustein unseres Work Universes sein. Gleichzeitig haben wir gelernt, warum manche Kollaborationen erst im persönlichen Kontakt so richtig ins Fliegen kommen.

Im Work Universe wird das Büro zum Treffpunkt für den persönlichen Austausch. Wir müssen im Office optimale Voraussetzungen schaffen für Interaktion und Zusammenarbeit. Es gilt, Grenzen zu überwinden und eine eng vernetzte Kollaboration der Mitarbeiter zu ermöglichen."

Inspire Creativity

"Virtuelle Zusammenarbeit findet verstärkt in Videokonferenzen statt. Das hat den Vorteil, dass viele Meetings wesentlich pointierter sind, da beispielsweise nur ein Teilnehmer nach dem anderen sprechen kann. Genau diese strukturierte Form des Austausches ist sehr effizient – jedoch für die freigeistige Kreativität leider wenig geeignet. Denn: Kreativität entsteht im "Moment". Und damit dieser zufällige Moment stattfinden kann, müssen Freiräume vorhanden sein.

Im Work Universe entstehen im Büro Kreativräume, die einen inspirierenden Rahmen für die Entwicklung eigener Ideen bieten. Hier gilt es, Settings zu gestalten, die sich deutlich von klassischen Arbeitsplätzen absetzen. Diese Orte müssen Möglichkeiten zur Visualisierung von Ideen, Brainstormings sowie Prototyping fokussieren."

Flip Settings

"Nach dem strengen Lockdown öffnen sich die Büros nun wieder zunehmend für ihre "Bewohner". Für die Zusammenarbeit gelten aktuell neue Bedingungen, an die sich der Raum anpassen muss: Abstandsregeln, Hygienekonzepte und Belegungspläne bestimmen den Alltag. Gleichzeitig liegt die durchschnittliche Büroauslastung im September 2020 in vielen Organisationen bei deutlich unter 50 %. Insgesamt nimmt die Geschwindigkeit des Wandels weiter zu: Neue Projekte in immer anderen Konstellationen, häufig auch kurzfristig oder punktuell, erfordern ein dynamikrobustes Umfeld. Das bleibt auch nach Corona unsere tägliche Herausforderung.

Im Work Universe wird das Büro zu einem Ort, der sich flexibel an die Bedürfnisse seiner Nutzer anpasst. Hier gilt es, Räume mit multifunktionalen Flächen und Möbeln zu gestalten."

Living Identity

"Je mehr Satelliten ein Work Universe umschwirren, desto geringer ist die Präsenz im eigentlichen Büro und am klassischen Arbeitsplatz. Für eine gewisse Zeit ist dies unproblematisch, da der Großteil der Mitarbeitenden untereinander vernetzt und mit der Unternehmenskultur vertraut ist. Verlagert sich die Art der Zusammenarbeit von der Präsenzkultur hin zu einem Work Universe, gewinnt der Aspekt der gemeinsamen Identität eine zentrale Bedeutung.

Im Work Universe wird das Büro zum Herz der Organisation und trägt so maßgeblich zur Stiftung einer gemeinsamen Identität und eines Zusammengehörigkeitsgefühls bei. Hier gilt es, Räume zu gestalten, die eine gemeinsame Vision transportieren und erlebbar machen und so als Bindeglied zu den verschiedenen Satelliten des Work Universe dienen."

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