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Ein Artikel aus der Episode #8Homeoffice

Zwischen Daddymodus und New Work: Wie das Büro der Zukunft für Eltern aussehen könnte

Gabriel Rath lebt und arbeitet in Rostock. Auf seinem Blog "Daddymodus" schreibt er über New Work und Vaterfreuden.

Gabriel Rath ist New-Work-Denker, Speaker, Blogger, Rapper und Podcaster. In seinem Gastbeitrag schreibt er, dass Arbeit bald kein Ort mehr ist, sondern ein Modus, den wir zu unterschiedlichen Zeiten aktivieren müssen.

von Gabriel Rath

Als Vater von drei jungen Töchtern weiß ich, wie herausfordernd es ist, Familie und Job zu kombinieren. Dabei geht es mir gar nicht darum, zwei gegensätzliche Pole zu verbinden, sondern vielmehr die beiden Bereiche ineinanderfließen zu lassen. Ich halte nicht viel von dem Begriff Work-Life-Balance. Am Ende ging es für mich nie um Trennung, sondern um das Zusammenbringen. Einige sprechen mittlerweile von Blending, vom Vermischen von Job und Freizeit. Das trifft es für mich schon eher.

Ist Deep Work Vergangenheit?

Viele von uns sind heutzutage als sogenannte Wissensarbeiter aktiv. Wir brauchen eine gewisse Arbeitsatmosphäre, um klar zu denken. In der Vergangenheit fanden wir diese Umgebung jenseits der eigenen vier Wände. Das Büro im Unternehmen war für uns Eltern nicht nur ein Arbeitszimmer, sondern auch ein Refugium für konzentrierte Arbeit. Als “Deep Work” bezeichnet der amerikanische Autor Cal Newport diesen Fokus. Lange Zeit konnten wir ungestört an unserem Schreibtisch sitzen und die Dinge abarbeiten, die Vorgesetzte uns auftrugen.

Morgens kamen wir in diesen Raum, hängten unsere Jacke über die Garderobe, fuhren den Rechner hoch und holten uns einen Kaffee. Diesen tranken wir anschließend sitzend vor unserem Bildschirm. Unseren Schlüssel deponierten wir im nahestehenden Trolley. Unsere Büropflanzen gossen wir, wenn wir daran dachten, einmal im Monat. Die Bürotür war geschlossen. Wir hatten unsere Ruhe. Tag aus, Tag ein.

Raths Homeoffice im Kinderzimmer.

New Work als neue Herausforderung


Heute leben wir in einer anderen Welt. In den meisten Unternehmen wird erwartet, dass Mitarbeiter die berühmte Extrameile gehen. Also nicht nur Dienst nach Vorschrift machen, sondern sich auch noch mit der Company identifizieren und flexibel arbeiten. Die "Open Door Policy" hat sich vielerorts durchgesetzt. Die digitalen Möglichkeiten haben dazu geführt, dass sich das Büro als starrer Raum langsam aber sicher auflöst.

Der sogenannte "Digital Workplace" ist heute immer bei uns, in unserer Jackentasche, auf dem Nachttisch oder tatsächlich in unserer Hand, wenn wir uns mit den Kindern auf dem Spielplatz befinden. Büro ist da, wo Internet ist. Mobile Devices und Cloud-Technologien machen es möglich. Doch ergeben sich auch ganz neue Herausforderungen für uns.

Schließlich lenken die neuen zahlreichen Einflüsse uns nicht nur ab, sondern reißen uns förmlich raus. Wir können uns weder auf unseren Job noch auf unsere Kinder konzentrieren. Experten sind sich einig, dass wir Menschen eigentlich nicht multitaskingfähig sind. Auf der anderen Seite bekommen wir heute durch Kollaboration-Tools wie Slack und Co. neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die Kreativität und Innovation fördern.

Die Corona-Krise als Chance?

Viele Unternehmen lernen neue Arbeitsmodelle erst in der momentanen Krisenlage kennen. In einer Zeit, in der Homeoffice alternativlos ist, wenn es um das Thema Gesundheit geht. Doch wie organisieren wir uns zu Hause? Welche Möbel benötigen wir für das heimische Büro? Welche Anforderungen definieren wir an einen Arbeitsplatz, wenn unsere Kinder mit im Haus sind und unsere Aufmerksamkeit fordern? Diese Fragen bergen eine große Chance, sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer. Wenn wir gemeinsam wirklich herausfinden wollen, wie dieses Work-Life-Ding funktioniert, dann sollten wir diese Gelegenheit genau jetzt packen.

"Büro ist wie Jazz. Nur ohne Musik", hat Bernd Stromberg mal gesagt. Wahrscheinlich hat er mehr Recht als jemals zuvor. In einer Welt, die von Unsicherheiten gezeichnet ist, kann sich niemand auf Routinen verlassen. Improvisieren ist die neue Kernkompetenz, die wir erlernen und weiterentwickeln müssen. Dazu gehört der Mix zwischen Teamplay und Soloprojekt. Und der Switch, also der Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsorten. Abhängig von der Art der Arbeit darf es mal das Homeoffice, mal der Platz im Café und mal das gute alte Büro in der Firma sein. Unternehmen, in denen Kontrolle mittlerweile durch Vertrauen ersetzt wurde, profitieren schon heute davon. Mitarbeiter schätzen und nutzen sogenannte Vertrauensarbeitszeiten und organisieren sich selbstständig. Mehr Freiheit bringt mehr Verantwortung. Und die zahlt sich aus.

Ein Modus

Arbeit wird für Büroarbeiter zukünftig keinen Ort mehr darstellen, zu dem wir gehen, sondern vielmehr ein Modus sein, den wir aktivieren. Wir werden unseren Alltag in Zukunft nicht scharf in Familie und Job abgrenzen können. Es wird wichtig sein, zu priorisieren und die beiden Welten sinnvoll zu verschmelzen. Ich nutze zum Beispiel gern die Flaute vor dem Sturm am Morgen und arbeite kreativ, bis die Kinder erwachen. Kehrt dann nach dem Frühstück langsam wieder Ruhe ein, widme ich mich dem nächsten Block und versuche dabei, Ablenkungen zu minimieren. Ich suche mir also eine ruhige Ecke, in der ich nicht nur produktiv arbeite, sondern in der auch der digitale Austausch mit den Kollegen über Video wertvoll ist. Sofern nicht im Hintergrund der eigene Anhang durch das Bild läuft, so wie in diesem legendären BBC-Video, das vor einigen Jahren viral ging.

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An ganz neuen Orten

Die gute Nachricht ist: Das Büro von der Stange ist von gestern. Heute lebt Arbeit von Individualität und Flexibilität. Wenn ich mir also eine Berufung gesucht habe, der ich wirklich, wirklich nachgehen möchte, um es mit den Worten von New Work-Philosoph Frithjof Bergmann zu sagen, dann sollte ich im zweiten Schritt ein Setting definieren, in dem ich diesem Job in sinnvollen Blöcken und in Harmonie mit der Familie nachgehen kann. Das heißt im Umkehrschluss, dass ich diesen alten Raum mit der Garderobe, den Pflanzen auf dem Fensterbrett und dem Trolley nur noch ab und zu benötige. Das Büro der Zukunft ist also ein Tool, das wir einsetzen, um uns mit Kollegen zu treffen.

Auf der anderen Seiten wird das "Büro" auch an ganz neuen Orten stattfinden, zum Beispiel beim Kunden, mit dem wir Projekte zukünftig auf Augenhöhe nicht nur abwickeln, sondern gemeinsam vorantreiben. Oder im heimischen Kinderzimmer, in dem wir uns mit unseren Kindern einen kleinen Co-Working-Space einrichten können. Hausaufgaben und Homeoffice nebeneinander. Das ist zwar nicht gleichbedeutend mit Deep Work, dafür aber eine neue Chance, orts- und zeitunabhängiger zu arbeiten. Wer diese Freiheit schätzen lernt, wird nicht nur erfolgreich sein, sondern auch die Herausforderung "Vereinbarkeit" gut meistern.

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