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Ein Artikel aus der Episode #2Generation Z

Perspektive: Wie verändern die Zs das Büro?

Ein Blick in das PALMBERG-Office in Schönberg.

Was kommt nach der Videotelefonie? Und wie gestalten Architekten Arbeitswelten, in denen sich Babyboomer und der Generation-Z-Nachwuchs gemeinsam wohlfühlen? t3n-Redakteur Andreas Weck und PALMBERGs Marketing-Leiter Christoffer Süß teilen ihre persönlichen Perspektiven.

von Hannes Hilbrecht

inperspective: Es gab in der Geschichte der Büros bereits einige Innovationen. Computer, Videotelefonie, 3D-Drucker. Was wird der nächste große Entwicklungsschritt?

Andreas Weck: Zwar keine technische Innovation, aber deshalb nicht weniger wichtig: Die sogenannten "Shared Desks" könnten sich im Büro auf lange Sicht durchsetzen. Kein Angestellter hat mehr seinen eigenen Platz, sondern sitzt dort, wo gerade etwas frei ist. Immer mehr Menschen arbeiten remote und brauchen keinen eigenen Schreibtisch mehr. Der Laptop ersetzt quasi den stationären Arbeitsplatz mit all seinen Utensilien darauf. Gearbeitet wird sowieso schon digital – mal vom Büro, mal von daheim, mal von der Dienstreise oder vom Coworking-Space um die Ecke aus. Die Bedürfnisse der Arbeitenden sollten bestimmen, wo und wie gearbeitet wird. 

Ein Beispiel: Projektleiter und -leiterinnen in Agenturen brauchen die Absprache vor Ort, aber auch Raum, um woanders in kleinen Gruppen neue Ideen zu entwickeln, und Ruhe, um konzeptionell zu arbeiten. Je nachdem welches Bedürfnis gerade befriedigt werden muss, verändert sich der Arbeitsplatz die ganze Zeit. Warum dann also noch für jede einzelne Person einen Schreibtisch aufstellen, wenn sowieso nicht jeder immer vor Ort ist. 

Ein Büro aus "Shared Desks" hat zudem zwei große Vorteile: 

  1. Die benötigte Bürofläche wird schrumpfen. Das spart Mietkosten.
  2. Durch die flexiblen Plätze entsteht mehr Austausch in der Belegschaft, davon profitiert das Teamgefüge. 


Vorsicht ist trotzdem geboten: Der Trend bedeutet nicht, dass dogmatische Festhalten am Großraumbüro, auch wenn viele das glauben. Ein Arbeitgeber sollte trotzdem kleine Rückzugsräume – sogenannte "Silent Rooms" – zur Verfügung stellen. In einem Büro mit "Shared Desks“ müssen wir unterschiedliche Bedürfnisse respektieren.

Andreas Weck schreibt für das renommierte t3n-Magazin über moderne Arbeit und digitale Arbeitswelten.

Christoffer Süß: Ich finde das Thema Smart Office sehr spannend. Im privaten Haushalt haben sich Smart-Lösungen schon etabliert. Immer mehr Menschen nutzen intelligente Kühlschränke, automatische Bewässerungssysteme und Mähroboter im Garten. Diese Systeme lassen sich über Apps ganz einfach steuern.

Das Smart Office bringt viele Vorteile. Ein intelligenter Schreibtisch könnte die Mitarbeiter zum Beispiel daran erinnern, regelmäßig in eine Stehposition zu wechseln. Dieser Tisch ist in der Lage, die Nutzung zu analysieren. Mit den Werten können wir Wartungen optimieren und die Auslastung ermitteln.

Natürlich müssen wir diese Systeme mit Daten speisen, damit sie funktionieren. Je mehr individuelle Werte, desto präziser die zugeschnittenen Angebote. Doch wir alle wissen, wie sensibel das Thema Datenschutz in den vergangenen Jahren geworden ist.

Das gilt besonders für die Generation Z. Sie ist diesbezüglich extrem spannend, denn sie wächst nicht nur beim Thema Daten ganz anders als meine Generation in Unternehmen hinein. Ich habe letztens einen Azubi gefragt, ob er kurz etwas für mich erledigen könnte. Seine Antwort: "Gleich. Ich habe noch zwei Minuten Mittagspause." 

"Die Zs haben das Selbstvertrauen, "Nein" zu sagen. Das ist positiv. Ich persönlich wäre damals gesprungen, weil ich wollte, dass mich das Unternehmen schätzt.

Das Selbstvertrauen der Generation Z, "Nein"  zu sagen, ist beim Smart Office sicher ein Thema. Wenn die Zs das Konzept ablehnen, werden sie das den Arbeitgebern mitteilen. Und ob die Generation Z das Smart Office gut findet, kann ich derzeit noch nicht abschließend sagen. Sie wirkt, nicht nur was Datenschutz angeht, sehr ambivalent. Einerseits posten sie jedes Detail ihres Lebens bei Instagram, andererseits wollen sie keine Fotos von sich auf der internen Firmenwebsite veröffentlichen. Das müssen wir erst noch verstehen lernen.

Christoffer Süß ist Marketingleiter bei PALMBERG. Der gebürtige Münchner glaubt an den Z-Faktor.

inperspective: Die Generation Z ist digitaler aufgewachsen als alle anderen Generationen vor ihr. Nur ein Beispiel: Sie diktiert lieber Nachrichten als selbst zu schreiben. Mailen wir in zehn Jahren noch oder gibt es andere Tools? Und welche Veränderungen seht ihr noch kommen?

Andreas: Vorab mal ein gutes Wort zur E-Mail: Sie hält sich seit Jahrzehnten wacker und sie wird so schnell nicht aussterben. Da bin ich mir sicher. E-Mails lassen sich gut archivieren. Sie bewirken auch, dass sich Menschen mehr mit dem Inhalt darin auseinandersetzen. Eine E-Mail ist in der Regel keine drei Worte lang (wie etwa eine Slack- oder Whatsapp-Nachricht) oder ausschweifend wie ein Telefonat, sondern umfassend genug und trotzdem auf den Punkt.

Nichtsdestotrotz wird das Nutzerverhalten der neuen Generation, die in den beruflichen Startlöchern steht, die Art und Weise wie wir leben und arbeiten nachhaltig beeinflussen. So, wie viele Menschen meiner Generation, die Ys, sich nicht mehr für Meetings vor Ort treffen, sondern den Großteil über Videotelefonie-Tools abwickelt, so wird die Gen-Z mit ihren Sprachnachrichten die Kommunikation im Team prägen. Wie? Das kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen. Es gibt nicht viele Anbieter, die Voice im deutschsprachigen Firmenkontext cool umgesetzt haben. Aber wo sich eine Nische auftut, wird sie besetzt – mit Sicherheit von den Zs. 

Spannender wird sein, wie weit sie – noch mehr als meine Generation es tat – den Rahmen der Flexibilität weiter verschieben wird. Flexible Arbeitsmodelle sind seit Jahren auf dem Vormarsch und verändern vom Startup über die KMU bis zum Konzern alles. Viele offene Unternehmen haben sich schnell an die Bedürfnisse der Arbeitenden angepasst. Viele traditionelle Unternehmen zetern jedoch noch immer, wenn sie Homeoffice nur hören. Die Gen-Z wird da noch energischer den Wandel einfordern, als wir Millennials es taten. Dahingehend dürfen wir sehr gespannt sein.

Christoffer: Sie wird das Büro verändern. Mir wird allerdings zu oft zu isoliert über die Generation Z geredet. Also wie sie tickt, welche Stärken und Schwächen sie mitbringt. Was mir zu kurz kommt, ist die Frage, wie sie im Zusammenspiel mit den anderen Mitarbeitern die Kultur in den Unternehmen verändern wird?

Nur weil die Zs jetzt auf den Arbeitsmarkt kommen, dürfen wir ja nicht den im Moment noch viel größeren Teil der "Nicht-Zler" in den Unternehmen vergessen. In den meisten Firmen und vielen Abteilungen arbeiten Babyboomer, Millennials, die Ys und jetzt die Zs in einem Team zusammen. Kollegen, die noch mit den ersten Computern arbeiteten, kollaborieren mit sehr jungen Mitarbeitern, die in einer digitalen Welt groß geworden sind. Da gibt es viel Raum für Missverständnisse, aber auch für fruchtbaren und notwendigen Wissenstransfer.

Ich spreche bei der Gesamtbetrachtung der derzeitigen Entwicklung in der Arbeitswelt auch gerne vom Z-Faktor. Die neue Generation verändert nicht alles, aber sie wirkt mit ihren Eigenschaften und Einstellungen auf die Kollegen – genauso wie die älteren auf die jüngeren Einfluss haben. Das Verschmelzen von Arbeits- und Berufsleben war für meine Generation selbstverständlich. Zum Beispiel nach Feierabend oder am Wochenende E-Mails zu bearbeiten. Dagegen sieht man die deutliche Trennung mancher Zs zwischen Arbeit und Freizeit und denkt sich: Eigentlich haben sie Recht. Viele Einstellungen der Generation Z teilen die älteren Mitarbeiter, nur wurden diese anders erzogen und im Berufsleben geprägt. Sie fordern nicht so offensiv. 

Wir müssen daher bei der Büroplanung und Einrichtung mit der Generation Z einen zusätzlichen Faktor berücksichtigen. Das Büro muss nicht nur einen produktiven Arbeitsplatz für jedes Individuum bieten, sondern zwischen unterschiedlichen Generationen moderieren und vor allem für alle gleichzeitig funktionieren.

inperspective: Die neue Generation verspricht Aufbruch und Veränderung. Welche Innovationen und Veränderungen wünscht ihr euch persönlich im Büro? Und was wollt ihr vielleicht sogar selbst umsetzen?

Andreas: Für die kommende Generation wünsche ich mir, dass nachhaltige Innovationen in den Fokus ihrer Arbeiten rücken. Kürzlich habe ich ein Interview mit einer SAP-Managerin geführt. Sie sagte, dass der Software-Konzern bis 2025 vollständig klimaneutral wirtschaften will – also in weniger als sechs Jahren. Das sind edle Ziele, die hoffentlich mehr sind als Lippenbekenntnisse. 

Innovative Gründer und Gründerinnen reagieren übrigens schon auf den Wandel. Fleisch ohne totes Tier könnte bald flächendeckend Einzug in Kantinen halten – "Beyond Meat" macht es möglich. Emissionen, ausgelöst durch Dienstreisen, können wir durch das Pflanzen von Bäumen kompensieren – die Projekte "Atmosfair" und "Myclimate" bieten das an. Diensträder könnten Dienstwagen in urbanen Gegenden ersetzen – werft doch mal einen Blick auf "Jobrad" oder "Lease a Bike“. Ich glaube, dass Klimaschutz nicht nur ein Trend, sondern eine zentrale Herausforderung der Menschheit sein wird. Politik und Wirtschaft müssen da ran – weltweit. Künftige Generationen haben es in der Hand, diese innovative Denke des klimaneutralen Handels weiter zu fördern. Sehe ich die engagierten Menschen, die bei Fridays for Future zusammenkommen, so glaube ich, dass wir das schaffen können!

Christoffer: Ich war letztens bei einem Dreh in Hamburg in der Schanze zu Fuß unterwegs. Mir kamen die typischen jungen Szene-Großstädter entgegen. Tennissocken über die Hosenbünde gezogen, Oversize Jeansjacken, Laufschuhe und Stoffhosen aus den 90ern vom Flohmarkt. Viele fuhren auf Klapp- oder Rennrädern. Dazu kamen Bob-Haarschnitte und Popperwellen. Das waren alles sehr individuelle Persönlichkeiten, die das auch nach außen darstellen wollten. Nur eben, dass mir diese jungen Frauen und Männer praktisch im Sekundentakt entgegen kamen. Die vermeintliche Individualität wirkt dann doch sehr uniform. 

Doch wie können wir als Möbelhersteller  dieses Streben nach einer Einzigartigkeit im Büro bedienen? Die Individualisierbarkeit wird wichtiger. Möbel müssen von den Mitarbeitern anpassbar sein. Damit meine ich nicht nur höhenverstellbare Tische oder Regalsysteme, die wir händisch verändern. Die Mitarbeiter sollen das Gefühl bekommen, dass ihr eigener Arbeitsplatz individualisierbar ist und ihrer Persönlichkeit entspricht. Dabei geht es vielleicht sogar mehr um das Gefühl, etwas anpassen zu können, als um die Veränderung selbst.

Eine Idee, die ich diesbezüglich sehr charmant finde: die Mitarbeiter bei der Ausstattung des Arbeitsplatzes miteinzubeziehen. Das fängt bei der Technik an und endet bei der Wahl des Mobiliars. Das ist für Unternehmen eine Chance, Wertschätzung zu zeigen. Wir haben es selbst erlebt, als wir eine neue Mitarbeiterin noch vor ihrem Start bei uns fragten, was sie zum optimalen Arbeiten benötigt. Wir konnten ihre Wünsche tatsächlich relativ einfach erfüllen. Da gab es eine sehr positive Reaktion. Wertschätzung ist und bleibt in Zukunft ein extrem wichtiger Motor der Motivation. 

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