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Ein Artikel aus der Episode #15Standorte

Hurra im Atomschutzbunker

Aus alten Zugwagons wurden im Osten Londons Meetingräume.

Mehr und mehr Unternehmen planen den Abbau von Büroflächen in den Innenstädten. Das spart Geld, könnte langfristig aber für Personalprobleme sorgen. Wo tolle Arbeitswelten bereits abseits der Innenstädte und mit Charme entstanden sind – eine Weltreise.

von Kevin Berg

"Zu wenig Fläche für zu wenig Firmen" – das titelte das Handelsblatt im Frühjahr 2019. Seit dieser Schlagzeile, die damals vielerorts in Wirtschaftszeitungen prangte, wurde die Welt scheinbar in einer Waschmaschine (Modell Corona) hin und her gerüttelt. Und jetzt, keine zwei Jahre später, scheint alles anders. Wollten sich Unternehmen vorher immer stärker in der Fläche erweitern, Etage um Etage in den mit Fenstern perforierten Stahlbeton-Monolithen nach oben klettern, hat sich der Trend umgekehrt: Büroflächen sind plötzlich so begehrt wie Wirecard-Aktien. Top-Manager wie Peter Blersch vom Personaldienstleister Adecco erwarten, dass Unternehmen bis zu 25 Prozent der bislang genutzten Büroflächen mittelfristig eindampfen könnten.

Glaubt man Schätzungen, wie sie die Wirtschaftswoche vorstellt, könnten in den kommenden Jahren 76 Millionen Quadratmeter Bürofläche allein in Deutschland frei werden. Das ist ungefähr die Größe einer deutschen 80.000-Einwohner-Stadt wie Minden.

Dass sich Homeoffice und andere Formen der mobilen Arbeit auf kurze Sicht bewähren, verführt die Unternehmen zum Platzsparen. Doch gleichzeitig häufen sich warnende Stimmen. Die global agierende Unternehmensberatung KPMG dokumentierte erst kürzlich die Zukunftssorgen deutscher Top-Manager – und die kreisen abseits der Corona-Probleme vor allem um Personalfragen. Eine Firmenkultur zu etablieren, werde mit Remote-Modellen schwieriger, heißt es im KPMG-Bericht. Auch seien Fachkräfte schwerer zu halten und leichter für Jobofferten anderer Firmen empfänglich.

Doch kann beides zusammen funktionieren – Büroarbeitsplätze in den Innenstädten abbauen und gleichzeitig Arbeitswelten entwickeln, die Mitarbeiter begeistern und ein Katalysator für die Unternehmenskultur sind?

Vier Beispiele zeigen: Das geht! Unternehmen fanden abseits von Innenstädten kreative Habitate für innovative Arbeit – in alten Atomschutzbunkern, Zugwaggons oder in einem "Disneyland".

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Village Underground – der Allrounder

Eine besondere Location fürs Fotoshooting, ein heller Meetingraum für kreative Ideen oder ein Drink zwischen ausrangierten Zugwaggons – im Village Underground können Firmen alles auf einmal haben.

Das Londoner Projekt bietet sechs verschiedene Venues an, die Unternehmen einzeln oder zusammen im Package buchen können. Jede Veranstaltungsfläche versprüht ihren eigenen Charme. Im Künstlerviertel Shoreditch befinden sich die Meetingräume und toll eingerichtete Büros in alten Bahnwaggons, die wiederum auf den Dächern von Schiffscontainern aufliegen. In den Pausen genießen Mitarbeiter ihren Kaffee mit einem Blick über die belebten Straßen im Osten Londons.

Ein besonderes Highlight sind die Mobile Tube Trains. Zwei ausrangierte Bahnwagen, die zusammen mit einer montierten Bühne ein U ergeben. Die Location ist mobil und kann an jedem Ort aufgebaut werden.

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Pionen-White Mountain – Arbeiten, wo andere Schutz suchten

Sicherer können Angestellte nicht arbeiten! Schwedische Architekten wagten den Weg 30 Meter unter die Erde – in einen ehemaligen Atomschutzbunker. Entstanden sind einzigartige Büroräume, die von tonnenschweren Granitfelsen ummantelt sind. Brainstorming unter der Erdoberfläche.

Direkt unter dem Vita Berg Park in Stockholm befindet sich der 1.200 Quadratmeter große Bürokomplex Pionen White Mountain. Die Wege zwischen den Büros sind mit alten Generatoren auf der einen und rauen Steinwänden auf der anderen Seite gesäumt. Ein Meetingraum scheint an der Decke des Bunkers zu hängen. Der Grundgedanke des Architektenteams war es, das Gestein als lebenden Organismus in jedem Bereich aufleben zu lassen.

Damit das Unternehmen, ein Internetprovider, seine Server und andere technische Ausstattungen verbauen konnte, musste allerdings so mancher Stein weichen: Alleine im Bereich des Datenzentrums wurden 80 Zentimeter Fels weggesprengt.

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Selgascano – der Natur ganz nah

Die Arbeitswelt des spanischen Architekturbüros Selgascano schmiegt sich sanft in die Natur. Zwischen Bäumen und Sträuchern entwickeln die Spanier ihre innovativen Kreationen.

Die Anforderungen an den einzigartigen Arbeitsplatz waren simpel: Draußen arbeiten! Herausgekommen ist ein Büroschlauch mitten in der Natur des madrilenischen Umlands. Das ganze Konstrukt wurde leicht in den Boden eingelassen, das große Plexiglas-Dach gewährt dafür einen fantastischen Blick auf das Farbenspektakel der Baumkronen. Über den Arbeitsplätzen ist es aber nahezu blickdicht. Lediglich ein leichter Lichtschimmer zwängt sich durch die dreilagige Schicht. Damit werden lästige Spiegelungen auf den Bildschirmen der Architekten vermieden.

Die Einrichtung ist schlicht gehalten und kommt ohne große Extravaganzen aus. Den Blick in kurzen Denkpausen durch die Natur schweifen zu lassen oder die Lungen mit klarer Luft zu fluten, wirkt sich deutlich besser auf die Kreativität aus als das Prokrastinieren mit Smartphone auf dem Bürosofa. An regnerischen Tagen erzeugen die Tropfen zudem ihre eigene Melodie auf dem Plexiglasdach.

Wer die Natur liebt, findet kaum einen schöneren Arbeitsplatz als das Selgascano-Office. Fernab von grauen Fassaden und Straßenlärm entstehen die Gebäude von morgen.

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Inventionland – Meetings zwischen Baumhaus und Burggraben

Kaffee gibt es im mintgrünen Lebkuchenhaus mit der Zuckerhaube. Der übergroße Cookie, der neben dem Eingang an einem Baum lehnt, sieht verlockend aus – ist aber aus Plastik. Die Designfabrik des Produktentwicklers Inventionland in Pittsburgh, Pennsylvania, gleicht eher einer Fantasiewelt von Hollywood-Regisseur Christopher Nolan als einem klassischen Arbeitsplatz. Waren Kinder als Architekten am Werk?

Die spezielle Aufmachung des "Büros" ist keinesfalls als Scherz gedacht. Das Unternehmen verfolgt einen klaren Ansatz: Die kreativsten Ideen entstehen im kreativsten Umfeld. Deshalb wird hier nicht hinter einer Glasfassade im höchsten Haus der Innenstadt geschuftet, sondern zwischen Autorennbahnen und in übergroßen Schuhen. An Bord des Piratenschiffs werden Pläne in die Wirklichkeit umgesetzt und wer eine Idee pitchen will, trifft sich mit Kollegen im verträumten Crafty Cottage.

Im Baumhaus schlagen neue Einfälle Wurzeln und im Creative Castle wird an großen Tafelrunden über die innovativsten Produkte diskutiert. Am Standort Inventionland gerät die Arbeit zum Abenteuer.

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