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Ein Artikel aus der Episode #6Das gesunde Büro

Das gesunde Büro: Sinnvoll vorbeugen

Viel Tageslicht hilft gegen Kopfschmerzen und Augenleiden, das ermittelten Wissenschaftler in vielen Studien.

Deutsche Arbeitnehmer sammeln immer mehr Krankentage. Das ist problematisch, weil die Ausfälle Unternehmen bares Geld kosten und ohnehin überall Mitarbeiter fehlen. Doch was können Büros dagegen tun? Vier sinnvolle Ansätze.

von Hannes Hilbrecht

546 Millionen Krankentage. So viele Fehlzeiten sammelten die deutschen Arbeitnehmer im Jahr 2017. Seit dem Jahr 2008 ist das ein Anstieg um etwa 71 Prozent. Ein besorgniserregender Trend für die Wirtschaft. Und noch viel schlimmer: alles andere als gesund für die Mitarbeiter. 

Die gute Nachricht für die Männer und Frauen, die in Büros arbeiten: Immerhin müssen sie keine Mülltonnen durch die Gegend wuchten, Tunnel warten oder in Metallgießereien malochen. In diesen Jobs ist der Krankenstand mit Abstand am größten. Die zähe Arbeit gleicht Raubbau am eigenen Körper. 

Die schlechte Nachricht für die sogenannten Schreibtischtäter: Teilweise plagen sich die Angestellten in den Büros mit den gleichen Muskel-Skelett-Beschwerden wie die schuftenden Frauen und Männer in den Fabriken. Ergonomie? Oft nicht mehr als das berühmte Zwitschern im Walde. Rückenbeschwerden, das ist seit Jahren bekannt, sind eine der Hauptfolgen von unzureichend geplanten Arbeitsumgebungen und minderwertigen Büromöbeln. 

Manchmal verursachen die Mitarbeiter ihre gesundheitlichen Probleme sogar durch ihr eigenes Fehlverhalten. Sportwissenschaftler Tim Bräuer sagt im Interview mit inperspective: “Wir sprechen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement von Verhaltensproblemen. Es besteht eine große Unwissenheit bei Büroangestellten, was gesundheitliche Risikofaktoren angeht.” 

Noch dramatischer als ein verkrampfter Rücken: die psychischen Erkrankungen. Die sind nicht nur das Ergebnis von beruflichen Stress und Leistungsdruck. Auch die räumlichen Bedingungen in den Arbeitswelten könnten mentale Probleme heraufbeschwören.

Eine Möglichkeit, die Architekten und Planern helfen könnte, Büros gesundheitspräventiver zu gestalten, dröselte der Wiener Produktivitätsexperte Thomas Mangold in der vergangenen Ausgabe von inperspective auf. Mangold schrieb in seinem Gastbeitrag, dass die ideale Arbeitsatmosphäre mit möglichst vielen, positiv stimulierten Sinnen einhergeht. Gilt dieser Ansatz auch für das gesunde Büro?

Sehen: Mit optimiertem Licht gegen Kopfschmerzen

Kopfschmerzen sind für Büroangestellte eines der schwerwiegendsten Alltagsprobleme. Die wachsende Zeit, die Mitarbeiter mit der Arbeit an Bildschirmen verbringen, gilt als eine der Hauptursachen für Migräne und andere Beschwerden. Umso wichtiger sind Bedingungen in Büros, die diesen Leiden vorbeugen. Einer der laut Forschung wichtigsten Hebel: das natürliche Tageslicht. Dieses hat verschiedenen Studien zufolge einen großen Einfluss auf das körperlich und mentale Wohlbefinden der Mitarbeiter. 

Eine Untersuchung der Cornell University unter der Leitung des US-Psychologen Alan Hedge kam diesbezüglich zu beeindruckenden Ergebnissen. Mitarbeiter in Räumen mit optimierten Tageslichteinfall gaben an, dass Probleme wie Kopfschmerzen, überanstrengte Augen und verschwommenes Sehen um bis zu 84 Prozent sanken. Außerdem ermittelten die Wissenschaftler einen zehnprozentigen Abfall beim Empfinden von Schläfrigkeit. Die durch intelligente Glasscheiben verbesserten Lichtverhältnisse steigerten zudem die Produktivität. Zwar betrug dieser Anstieg im Schnitt nur zwei Prozent – doch kann das je nach Branche und Mitarbeiterzahl für beträchtliche finanzielle Gewinne sorgen. 

Und noch viel wichtiger: Das Gefühl von Produktivität wirkt als probates Mittel gegen das eigene Stressempfinden. Was wiederum die mentale Gesundheit massiv fördern kann. 

Dr. Georg Wiesinger zählt zu den führenden Akustikexperten in Deutschland.

Hören: Auch Lärm macht Rücken

Lärm macht krank. Das sagen Akustikexperten wie Dr. Georg Wiesinger. Im inperspective-Interview erklärte der Fachmann: “Mit der schlechten Raumakustik sinkt nicht nur die Arbeitsleistung der Mitarbeiter. Über einen längeren Zeitraum wird Bürolärm zu einem Stressor, einer psychischen Belastung, die zu mehr Krankheitstagen führt.”

Doch Stress wirkt nicht allein auf die Psyche. Verschiedene Studien und Laborexperimente lassen auf einen Zusammenhang zwischen dem lärmbedingten Stress am Arbeitsplatz und muskulären Problemen schließen. So ermittelten Wissenschaftler schon vor mehr als zwanzig Jahren, dass Mitarbeiter unter Bürolärm ihre Körperhaltungen am Arbeitsplatz deutlich seltener anpassen als Kollegen in einer ruhigen Arbeitsumgebung. Und das Verharren in einer starren Sitzposition ist bekanntlich einer der Hauptrisikofaktoren bei Rückenleiden. Kurz und knapp: Sogar Bürolärm kann schlecht für den Rücken sein.

Fühlen: Die ideale Raumtemperatur

Kaum eine Debatte ist so erhitzend wie eine lebhafte Diskussion über die ideale Raumtemperatur in einem Büro. Die einen mögen es warm wie in einer russischen Banja, die anderen bevorzugen die Variante Schockfrost. Was folgt, ist ein permanenter Kampf um die Heizungsregler oder die Fernbedienungen der Klimaanlagen.

Dabei haben Forscher an der Universität in Helsinki längst die ideale Raumtemperatur für das Büro eruiert. Das technologische Labor für Heizung, Lüftung und Klimatisierung ermittelte 22 Grad als perfekte Raumtemperatur. Experimente in Australien, bei denen die arbeitenden Probanden mittels EKG überwacht wurden, bestätigten diese Werte und kamen zu einem weiteren, für alle Frostanbeter ungünstigen Ergebnis: Bei muckeligen 25 Grad erreichten die meisten Teilnehmer ihre höchste produktive Leistung.

Riechen: Gerüche als Teil moderner Bürokonzepte?

In der Werbewelt arbeiten die Meister der Sinnesmanipulation. Während sogenannte Sound Brandings in Radio- und TV-Spots Emotionen schüren sollen, ist auch das Werben mit Farben hinlänglich bekannt. Was viele nicht wissen: Sogar mit Gerüchen experimentieren Unternehmen seit Jahren. Der Gesamtumsatz von Agenturen, die sich auf das Geruchsmarketing konzentrierten, wuchs im Jahr 2014 bereits auf 200 Millionen Dollar. Tendenz stark steigend. Banken, Casinos und Fitnessstudios nutzen die Kraft von ätherischen Ölen sehr unterschiedlich – mit einer großen Gemeinsamkeit: Die Gerüche sollen bei den Kunden Glücksgefühle auslösen. Was also in Konsumtempeln funktioniert, so die Logik, kann auch in Arbeitswelten die mentale Stimmung der Mitarbeiter entspannen.

Das Portal airscent.com aus Pittsburgh, Pennsylvania, stellt drei Gerüche als besonders interessant für Büros vor. 

Rosmarin: Wie eine Studie 2007 herausfand, beeinflusst der herbe Duft von Rosmarin die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol in unserem Blutkreislauf. Der intensive Geruch soll Menschen bei der Entspannung helfen und das Stressempfinden senken. 

Zitrone: Der Duft von Zitrone gaukelt dem Gehirn Reinlichkeit vor – ganz unabhängig davon, ob die Büroräume wirklich sauber sind. Auch stärkt der Zitronenduft die Konzentrationsfähigkeiten. In einer japanischen Studie wurden Flüchtigkeitsfehler in einem Unternehmen, das ätherische Limonenöle bewusst im Büro einsetzte, um die Hälfte reduziert.

Lavendel: Forscher der Duke University fanden laut airscent.com heraus, dass der Duft von Lavendel eine ähnlich relaxende Wirkung wie eine Massage auf den menschlichen Organismus entfalten kann.

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