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Ein Artikel aus der Episode #5Atmosphäre

Das Privileg Einzelbüro

Thomas Mangold arbeitet in Wien als Coach für erfolgreiches Selbstmanagement.

Thomas Mangold ist erfolgreicher Coach für Selbstmanagement und Produktivität. Die richtige Büroatmosphäre ist für den Wiener ein Schlüssel zum beruflichen Glück. Doch der Weg dahin kann umständlich sein. Ein Gastbeitrag.

von Thomas Mangold

Wie wichtig die Arbeitsatmosphäre für die eigene Produktivität ist, verrät uns ein kleines Experiment: Wir müssen bewusst in eine Arbeitsumgebung wechseln, in der es laut und kalt ist, wo es zieht. In der uns auch optisch nur wenig behagt.

Wir werden sehr schnell merken, dass konzentriertes Arbeiten an diesem Ort kaum möglich sein wird. Jedes unangenehme Detail wird uns immer wieder stören, unsere Konzentration durchbrechen und dafür sorgen, dass wir uns unwohl fühlen. Spüren wir in diesem Experiment, wie schwer das Arbeiten in einer schlechten Arbeitsatmosphäre fällt, ahnen wir schnell, welche Möglichkeiten uns dagegen ein positiver Arbeitsort bietet. Das Experiment sensibilisiert uns dafür, mehr auf unsere Arbeitsumgebung zu achten. Diese ist sehr wichtig, wenn wir effizienter, produktiver und mit mehr persönlichem Glück unsere Arbeit erledigen wollen. 

Auf die Sinne vertrauen

Wie finden wir eine Arbeitsatmosphäre, die uns ideal anspricht? Die uns hilft, uns persönlich und beruflich zu entfalten. Die gleichzeitig unsere Kreativität stärkt und uns beim Fokussieren unterstützt? 

Die Antwort ist zunächst simpel. Wir müssen auf unsere Sinne vertrauen. Was wir fühlen, sehen, hören und riechen, beeinflusst Körper und Geist und damit auch unsere Gedanken. Je mehr Sinne wir positiv stimulieren, desto positiver nehmen wir die Atmosphäre in einem Büro wahr. Wir können unsere Arbeit effizienter und hochwertiger erledigen. Das macht Mitarbeiter glücklich und Unternehmen erfolgreich.

Büromitarbeiter brauchen Platz

Doch genau hier versteckt sich eine Stolperfalle. Denn was nun kalt oder warm ist, laut oder angenehm, das fühlt jeder anders. Ich kann mich an ein Gespräch im Freundeskreis aus dem vergangenen Sommer erinnern. Einige meiner Freunde teilen sich ein Büro. Es ist dort möglich, die Klimaanlage individuell einzustellen. Was eigentlich positiv ist, weil das Raumklima nicht zentral gesteuert wird, entfachte Streitigkeiten um die Fernbedienung. Dem einen war es zu warm und dem anderen zu kühl. Wenn der eine glücklich war, war es der andere nicht. Ähnlich ist es bei allen anderen Sinneswahrnehmungen. Das, was mir gefällt, kann schon den Menschen neben mir massiv beeinträchtigen. 

Ich sehe deshalb das Konzept der Großraumbüros kritisch. Je mehr Menschen auf engem Raum eingepfercht arbeiten, desto schwieriger ist es, die ideale Arbeitsatmosphäre zu erzeugen. Wenn es aber darum geht, die bestmögliche individuelle Umgebung zu erzielen, gibt es nur eine Option: So viel persönlicher Freiraum und Platz, wie sich ein Unternehmen leisten kann. Büromitarbeiter müssen sich für die maximale Konzentration abschotten können. Büromitarbeiter benötigen diesen Platz, um ihre Arbeitsplätze zu individualisieren. Höhenverstellbare Tische sind nur eine von vielen Optionen.

Das Privileg Einzelbüro

Der Weg zum perfekten persönlichen Büro kann schwierig sein. Ich arbeite gelegentlich in Co-Working-Spaces. In manchen fühle ich mich total wohl, in anderen schnell genervt. Oft verursachen nur kleine Details diese atmosphärischen Diskrepanzen. Woran das genau liegt, müssen wir für uns selbst ermitteln. Zum Beispiel, indem wir an einem Arbeitsort herausfinden, welche Sinne positive und welche negative Impulse wahrnehmen. Erst dann können wir mit der Verbesserung unseres Arbeitsumfelds beginnen.

Persönlich schätze ich das Privileg eines Einzelbüros. Hier kann ich meinen Minimalismus ungestört ausleben. Ich habe nur das im Büro, was ich brauche. Es ist sehr hell. Ich mag es lieber kalt als warm. Akustische Einflüsse sind reduziert. Pflanzen habe ich nicht. In dieser Umgebung kann ich maximal konzentriert arbeiten oder mich jederzeit zum Nachdenken auf mein Balance Board stellen. Andere würden sich in meinem Büro wahrscheinlich in dem eingangs erwähnten Experiment wiederfinden. 

In Österreich erkenne ich mittlerweile eine langsame Abkehr vom Trend des Großraumbüros. Das begrüße ich als Berater für Produktivität und Selbstmanagement sehr. In Zukunft wird konzentriertes Arbeiten so wichtig sein wie nie zuvor, weil die Komplexität der Aufgaben in vielen Berufen steigt. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, kann jeder Büroarbeiter eine individuelle Arbeitsatmosphäre gut gebrauchen.

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